Corps Rhaetia
Rhaetia bezeichnet sich als „Corps“ und ordnet sich damit in eine bestimmte Kategorie studentischer Verbindungen ein.
Studentenverbindungen können ihre Geschichte zurückführen bis auf die „Bursen“, klosterähnliche Wohngemeinschaften an den ersten europäischen Universitäten des 12. und 13. Jahrhunderts, und die „nationes“, die die damals aus allen europäischen Ländern stammenden Studenten nach landsmannschaftlicher Zusammengehörigkeit organisierten. Die Nationes benannten sich dabei nach dem lateinischen Namen ihres Herkunftsterritoriums. Daher rühren Verbindungsnamen wie „Suevia“, „Bavaria“ oder eben auch „Rhaetia“, der Name der römischen Provinz, die auf dem Gebiet des heutigen Oberbayern,Schwaben und Tirol bestand. Die Nationes, die sich später eingedeutscht „Landsmannschaften“ nannten, hatten bis zum 18. Jahrhundert eine beherrschende Stellung an den Universitäten gewonnen, insbesondere war der Beitritt für die jeweiligen Landsleute quasi verpflichtend. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Landsmannschaften zusehends von den freimaurerisch beeinflußten „Orden“ verdrängt, die sich gegenüber den Landsmannschaften insbesondere durch die Freiwilligkeit des Beitritts und strikte Geheimhaltung im Gegensatz zum repräsentativen öffentlichen Auftreten der Landsmannschaften auszeichneten.
Ab 1798 entstanden als Synthese aus Landsmannschaften und Orden als älteste Form der heute noch bestehenden Verbindungstypen die Corps. Von Anfang an zeichneten sich die Corps dabei durch zwei Prinzipien, Freundschaft und Toleranz, aus. Die Freundschaft ist dabei zentrales Ziel unseres Bundes: die lebenslange Verbundenheit unter Akademikern jedes Alters, aller Fachrichtungen, Konfessionen und Nationalitäten. Wesentliche Voraussetzung ist dabei die Toleranz: jeder Student kann unabhängig von Glauben, Herkunft oder Weltanschauung Corpsbruder werden und wir lehnen im Rahmen der bestehenden Gesetze jede religiöse, politische oder weltanschauliche Beeinflussung unserer Corpsbrüder ab.